Lern-Lehrsettings nach den didaktischen Prinzipien der Grünen Pädagogik

in alphabetischer Reihenfolge der Autoren und Autorinnen

Soja-Importe für die Tierzucht

Hochschul-Prof.in Dipl.-Päd.in Dr.in Angela Forstner-Ebhart, MEd

Im UN-Jahr der Hülsenfrüchte will dieses Lernsetting die Problematik des Importes von gentechnisch verändertem Soja näher beleuchten und alternative Szenarien wie den Anbau von Donausoja diskutieren.  Dabei werden unterschiedliche ökonomische und ökologische Aspekte wechselseitig in Beziehung zueinander gesetzt: der Wunsch nach billigem Fleisch, die Forderung nach gentechnikfreien Lebens- und Futtermitteln, die Bereitschaft von Konsumenten und Konsumentinnen, höhere Preise für bessere Qualität zu akzeptieren oder die Beschränkung des Importes von gentechnisch veränderten Futtermittel – all dies hat vielfältige Auswirkungen auf das „System Fleischkonsum“.
Vor diesem Hintergrund wird insbesondere die Verwendung gentechnisch veränderten Sojas in einem Lernsetting aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und in einer Ko-Konstruktion thematisiert. Mit Hilfe systemischer Modellierungen werden Einflussfaktoren auf mögliche Importreduktionen identifiziert und Auswirkungen von Lenkungsmaßnahmen diskutiert. Ziel ist es, alternative Lösungen, die geeignet sind,  Importmengen und damit Abhängigkeiten zu reduzieren, zu konstruieren und zu diskutieren.

Zurück zur Natur mit dem Melkroboter?


Hochschul.-Prof. Priv.-Doz. DI Dr. Leopold Kirner

Milchwirtschaft ist arbeitsintensiv – und die Arbeit muss 365 Tage im Jahr geleistet werden, die Hauptlast – das tägliche Melken – liegt oft bei den Bäuerinnen. Immer weniger junge Menschen sind bereit, ein solches Leben zu führen. Automatische Melksysteme eröffnen hier neue Perspektiven, sie ermöglichen Unabhängigkeit durch freie Zeitgestaltung.
Im öffentlichen Diskurs wird diese Entwicklung jedoch kontrovers diskutiert, denn zwei entgegengesetzte Bilder prägen die Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft: Auf der einen Seite die Idylle des bäuerlichen Familienbetriebes, auf der anderen der durchtechnisierte agroindustrielle Betrieb. Sind Melkroboter Systeme, die den Menschen weiter von der Natur entfernen, die dazu beitragen, dass Tiere nicht mehr als Lebewesen wahrgenommen werden – oder Geräte, die den bäuerlichen Betrieben erst eine Zukunft ermöglichen?
Das Lernsetting greift diese Kontroverse auf und diskutiert sie an Hand von Fakten und Studien. Im beschriebenen Lernsetting gehen die Studierenden dieser Frage nach. An Hand zweier Artikel – zur Würde der Tiere und zu Arbeitsbedingungen von Bauern und Bäuerinnen werden emotionale Aspekte ebenso wie die den unterschiedlichen Sichtweisen zu Grunde liegende Werthaltungen angesprochen. Ein Lernsetting, das Kontroversen dazu nützt, aktuelle Entwicklungen rund um das Internet der Dinge mehrperspektivisch zu reflektieren.

Esskultur und das Wegwerfen von Lebensmitteln - ein diametraler Gegensatz?

Prof.in Mag.a Katharina Salzmann-Schojer

Zum achtsamen Umgang mit Nahrungsmitteln zählt auch, sich Zeit zu nehmen, das Essen zu genießen: Ein Teller statt einer Pizzaschachtel, ein Glas statt eines Papierbechers vermindert nicht nur Abfall, sondern gibt dem Lebensmittel auch Wert. Esskultur als Thema umfasst alle Dimensionen von Nachhaltigkeit: Ein gemeinsam gestaltetes Essen ist eine geeignete Maßnahme gegen das ökologisch und sozial so problematische Wegwerfen von Nahrung. Die Förderung von Tischgemeinschaften steht im Zentrum der sozialen Dimension, die ökonomische Dimension wird bei der Frage nach Wertbeständigkeit von Materialien dder Kosten von Nahrungsmittelverschwendung angesprochen.
Das Lernsetting  verknüpft unterschiedliche Themenbereiche, macht Spannungsfelder sichtbar und damit der Reflexion zugänglich. Zeitersparnis spricht für Convenience Produkte, Umweltaspekte dagegen, Tischkultur steht für Gemeinschaft, die Flexibilität der modernen Arbeitswelt, geänderte Werthaltungen stellen sie in Frage.
Im Rahmen des Lernsettings werden  Alltagsituationen zum Thema Essen durch Schülerinnen und Schüler beschrieben und bewertet. Auf dieser Basis werden – unterstützt durch kreative Methoden -  positive Visionen für die Gestaltung von gemeinschaftlichem Essen entwickelt.  Die vielfältigen Zugänge – Alltagserfahrung, persönliche Wünsche und Vorstellungen sowie die Tisch-Etikette - sind Grundlage einer gemeinsamen Reflexion, in der zu Grunde liegenden Werthaltungen sichtbar werden.

Land Art - mit Naturmaterialien den Garten gestalten

Prof.in DIin Birgit Steininger

In die Gartenarbeit können alle Lernschritte der «Grünen Pädagogik» nahezu selbstverständlich integriert werden. Die Konfrontation mit für die Lernenden relevanten Problemstellungen stellt meist die Natur: Warum wächst die Pflanze so langsam? Wann kann man ernten? Wie viel Wasser braucht es? Die Kinder wollen selbst Lösungen finden, Recherche und Analyse sind damit wesentliche Elemente. Auch Irritationen treten im Laufe des Gartenjahres auf, fordern Perspektivwechsel und neue Herangehensweisen, wenn etwa „liebe Schnecken“ zu Schädlingen werden oder Nutzungskonflikte auftreten. Lehrende sind hier gefordert, Raum zu schaffen für Interaktionen, für die Entwicklung und Erprobung von Lösungen. Das Gartenjahr ist zudem ganz besonders geeignet, die Lernerfolge zu reflektieren, sie als Ausgangspunkt für das kommende Jahr zu verwenden. Die Lernphasen und -prozesse der «Spirale der Grünen Pädagogik» können jedes Jahr durchlaufen werden.
„Land Art mit Naturmaterialien“ greift diese Überlegungen auf und reflektiert die Auseinandersetzung mit der Natur und ihrer Gestaltung.

Es wurden Brücken gebaut

Prof.in Dipl.-Päd.in DIin Wolf

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit fragt nach Kriterien für ein funktionsfähiges Gemeinwesen. Vereine sind das soziale Rückgrat jeder Gesellschaft, ein funktionierendes Vereinswesen minimiert  gesellschaftliche Konflikte. Gemeinsam Ideen entwickeln, sich austauschen, Projekte zu entwickeln und Erfolge zu feiern, ist für Stadt und Land identitätsstiftend.
In agrarischen wie auch in umweltpädagogischen Berufen kommt dem Vereinswesen eine wesentliche Bedeutung zu, häufig prägen Vereine sowohl Beruf als auch Privatleben, wie z.B.  die Naturschutzjugend, der Maschinenring, Förder- und Musikvereine, der Alpenverein, die Landjugend.
Im Rahmen dieses Lernsettings haben Studierende gemeinsame Vereinstage abgehalten. Dabei konnte festgestellt werden, dass Durch die interdisziplinäre Konfrontation – die Vereinsformen im Agrar- und Umweltbereich folgen unterschiedlichen Mustern - wurden lineare Denkmuster aufgebrochen und mehrperspektivisch Lösungsansätze entwickelt.
Damit leistete dieses Lehr- und Lernarrangement einen wesentlichen Beitrag für die künftigen, heterogenen Herausforderungen, denen sich Studierende in ihrem künftigen Wirkungsfeld zu stellen haben.

Klicken Sie bitte auf das Foto oben, um die Galerie der Poster zu den auf der linken Seite beschriebenen Best practice-Beispielen zu öffnen.

Reihenfolge der Poster in der Fotogalerie:

"Es wurden Brücken gebaut" - Esskultur - Land Art - Soja-Importe - Melkroboter

Unesco Umweltzeichen Ökolog Pilgrim

Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik

Angermayergasse 1
1130 Wien
Österreich

Telefon: +43/1/877 22 66-0
Fax: +43/1/877 23 61

www.agrarumweltpaedagogik.ac.at
info@agrarumweltpaedagogik.ac.at

Allgemeine Nutzungsbedingungen
Erklärung zum Datenschutz

 

© Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, Angermayergasse 1, 1130 Wien, 2014